Dochtglas Methode

Basis für die meisten Maßnahmen gegen die asiatische Hornisse ist das Finden der Nester.

Eine bloße Nestsuche führt in 99% der Fälle nur zu gesunde Körperbewegung, und in 1% der Fälle (und mit viel Glück) zu einem Nestfund. Nach aktueller Kenntnis kann man nur mit der sog. Dochtglasmethode die Richtung und ungefähre Distanz eines Nests bestimmen. Damit gewappnet kann eine Suche erfolgreich gestaltet werden

Ein Dochtglas dient dazu asiatische Hornissen aus einem nahegelegenen Nest anzulocken und zur „Spionin“ gegen den Feind zu wandeln. Meistens befindet sich ein solcher Feind (das Nest) auf 300 bis 800 Meter Abstand.

Das Aufstellen eines Dochtglases lohnt sich erst ab dem Zeitpunkt, dass sich so viele Arbeiterinnen in einem Primärnest befinden, dass die, die für die Futtersuche verantwortlich sind, sich auf eine Futterquelle „einfliegen“. Meistens ist dies, wenn ein Primärnest etwa so groß wie einen Handball ist. Das Aufstellen eines Dochtglases lohnt sich, sobald Arbeiterinnen aus einem Primärnest (und ab Juli noch mehr  aus einem Sekundärnest) sich regelmäßig am Bienenstand zeigen.

DIE LOCKSTOFF

Als Lockstoff für das Dochtglas gibt es mittlerweile verschieden Mischungen und Variationen. Übliche Rezepte sind:

  • 1/3 dunkles Bier,1/3  Weißwein und 1/3 Johannisbeersirup
  • 1/3 dunkles Bier,1/3  Weißwein und 1/3 Zucker (gleiches Gewicht als das Bier oder der Wein)
  • Galizische Mischung: 0,5 Liter Wasser, 200 Gramm Zucker, 5 Gramm frischer Hefe. Danach zwei Tage lang gären lassen und zügig verwenden
  • Portugiesische Mischung:  150 Gramm Dose Thunfisch (im eigenen Saft), Ein bisschen Apiinvert, alles verrühren und in einer Schüssel ausstellen

Bei den ersten drei „Rezepten“ gilt: wenn Bienen an die Mischung gehen, dann etwas Schnaps zufügen

DAS DOCHTGLAS

Von einem Marmeladen- oder ein Honigglas nimmt man den Deckel und bohrt darin ein Loch. Durch diese führt man je einen Streifen Filztuch (die Farbe Gelb wird am besten angenommen), die als „Docht“ dienen und welche sich dann mit der Lösung im Glas vollsaugen können.

Obwohl ein Docht reicht, haben drei Dochte den Vorteil, dass Ruhe beim Futtern eintritt. Bei nur einem Docht kann es sein, dass eine europäische Hornisse den Docht für sich beansprucht und alle andere Insekten (z.B. asiatische Hornissen) vertreibt.

Anschließend wird das Glas in erhöhter Position vom Boden (ca. 1-1,5m) und mit möglichst freiem Sichtfeld in alle Richtungen (Feld etc.) aufgestellt. Nach spätestens 24 Stunden werden sich asiatische Hornissen (sofern vorhanden), aber auch europäische Hornissen und Wespen einfinden.

ASIATISCHE HORNISSE EINFANGEN UND MARKIEREN

Nun kann der Imker einzelne Hornissen mit einer Zeichenkolbe oder Königinnen-Abfangclip einfangen (analog zum Einfangen einer Bienenkönigin) und diese mit einem hellen Stift (z.B. Gelb, Rot, Grün) markieren. Nachdem die Hornisse wieder vorsichtig auf den Docht entlassen wurde, wird diese wieder anfangen Nahrung aufzunehmen und anschließend zurück zum Nest zu fliegen. Sollte die Hornisse stattdessen einfach abfliegen (Stress), wird mit der nächsten Hornisse weiter gemacht. Sobald eine markierte Hornisse am Dochtglas getrunken hat und abfliegt, stoppt der Imker die Zeit, die die Hornisse vom Dochtglas und wieder zurück benötigt.

Es ist notwendig die Zeit mehrmals (3+) zu stoppen und hierbei die schnellste Zeit für Berechnungen zu verwenden. Es wird angenommen, dass die asiatische Hornisse ca. 30 bis 45 Sekunden am Nest verweilt, um die Nahrung abzugeben.

Die Gesamt-Flugzeit wird in der Doppelkreis-Berechnung (s. nächster Absatz) zur Ermittlung der Distanz des Nests verwendet.

Weiterhin ist es unabdingbar die Flugrichtung der Hornissen möglichst genau (idealerweise mit mehreren Personen) zu identifizieren. Der Standort der Dochtgläser sollte daher am besten auf einem freien Feld oder Platz sein, damit die Hornisse keine Hindernisse umfliegen muss und so die Flugbahn nicht verfälscht wird.

Sofern die gestoppte Zeit über 4 Minuten liegt, sollte erwogen werden ein zweites Dochtglas näher zum vermuteten Nest (also in Flugrichtung) aufzustellen. Hierbei muss beachtet werden, dass die asiatische Hornisse in unmittelbarer Nestnähe (ca. 50-100 Meter) die Dochtgläser nicht mehr annimmt. Eine Flugzeit von ca. 1:30 Minuten wäre daher das Beste, was man erreichen kann.

Wenn man ein zweites Glas aufstellt, sollte das ursprüngliche Dochtglas belassen werden. Zum Einfliegen auf das zweite Glas fängt man idealerweise eine Hornisse am ersten Dochtglas ein, bevor diese Nahrung aufnehmen kann. Diese Hornisse wird dann an das zweite  (nähere) Dochtglas mitgenommen und wird dort vorsichtig an das Dochtglas ausgesetzt, so dass Nahrung aufgenommen werden kann. Die Hornisse wird sich nach dem ersten Abflug in kreisenden Flugbahnen orientieren. Mit etwas Glück kehrt diese Hornisse nun zum neuen näheren Dochtglas zurück und man kann nach 2-3 weiteren Flügen die Zeit stoppen (erst dann ist die Hornisse wirklich eingeflogen). Sollte dies beim ersten Versuch nicht funktionieren und die Hornisse zum ersten Dochtglas zurückkehren, wiederholt man die Prozedur.

Sollte dies auch nach mehreren Versuchen misslingen so ist eventuell das neue Dochtglas vielleicht weiter vom Nest weg als das Ursprüngliche. In dem Fall sollte man eine andere Stelle ausprobieren. Sofern von mehreren Dochtgläsern aus gesucht wird bietet sich als Methode auch die Triangulation an – man verbindet die Flugstrecken von mehreren Abflugorten – an der Stelle an der sich die Flugbahnen kreuzen befindet sich höchstwahrscheinlich das Nest. Diese Methode funktioniert nur zuverlässig, wenn es nur ein einzelnes Nest mit gleichbleibenden Flugzeiten gibt. Sollten sich Hornissen mit unterschiedlichen Flugzeiten an einem Standort ergeben, muss mit mehreren Nestern gerechnet werden.

Es kann vorkommen, dass sich an den Dochtgläsern auch Vespa Crabro einfinden und diese sich mit der Velutina bekämpfen. In diesem Fall ist es ratsam die Crabro(s) mit einem Abfangclip abzufangen und so lange zu „käfigen“ bis alle Messungen durchgeführt wurden. Ansonsten sind teilweise keine sauberen Messungen wegen Störungen/Kämpfen möglich. Die Crabro(s) sind nach Beendigung der Messungen unverzüglich freizulassen!